David Levithan: Letzt­end­lich sind wir dem Uni­ver­sum egal

Klap­pen­text

Die Geschich­te einer unge­wöhn­li­chen ers­ten gro­ßen Lie­be – und ein phan­tas­ti­scher Roman, wie er rea­lis­ti­scher nicht sein könnte.Jeden Mor­gen wacht A in einem ande­ren Kör­per auf, in einem ande­ren Leben. Nie weiß er vor­her, wer er heu­te ist. A hat sich an die­ses Leben gewöhnt und er hat Regeln auf­ge­stellt: Lass dich nie­mals zu sehr dar­auf ein. Fal­le nicht auf. Hin­ter­las­se kei­ne Spu­ren.
Doch dann ver­liebt A sich unsterb­lich in Rhi­an­non. Mit ihr will er sein Leben ver­brin­gen, für sie ist er bereit, alles zu ris­kie­ren – aber kann sie jeman­den lie­ben, des­sen Schick­sal es ist, jeden Tag ein ande­rer zu sein? Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimm­ten Geschlecht oder einer bestimm­ten Fami­lie anzu­ge­hö­ren, ohne sich an irgend­et­was ori­en­tie­ren zu kön­nen? Und wäre es mög­lich, sich in einen Men­schen zu ver­lie­ben, der jeden Tag ein ande­rer ist? Könn­te man tat­säch­lich jeman­den lie­ben, der kör­per­lich so gestalt­los, in sei­nem Inners­ten aber zugleich so bestän­dig ist?

Ich den­ke, nie­mand kann es sich vor­stel­len, wie es ist, jeden Tag in einem ande­ren Kör­per auf­zu­wa­chen, jeden Tag nicht zu wis­sen, wo und wer man heu­te ist. Die­ses unglaub­li­che The­ma greift David Levithan in sei­nem Roman Letzt­end­lich sind wir dem Uni­ver­sum egal auf. Er befasst sich damit, wie ein sol­ches Leben aus­se­hen könn­te. Bestimmt ist es inter­es­sant und auf­re­gend, jeden Tag an einem ande­ren Ort zu sein und jedes Mal neue Leu­te ken­nen­zu­ler­nen. Man könn­te immer etwas Neu­es aus­pro­bie­ren. Jedoch wenn man län­ger über die­ses The­ma nach­denkt, ange­regt durch das Buch, kommt man auf das Pro­blem die­ses Lebens. So lernt man jeden Tag neue Freun­de ken­nen, jedoch schon am nächs­ten Tag wacht man 300 Kilo­me­ter ent­fernt von die­sen auf. So ist es trotz all der vie­len Leu­te ein ziem­lich ein­sa­mes Leben. Ech­te Freund­schaf­ten und Bezie­hun­gen sind unmög­lich. Des Wei­te­ren kann es auch ziem­lich gefähr­lich wer­den. So kann die Haupt­per­son zwar auf die Gedan­ken des Kör­pers zugrei­fen, jedoch nicht auf die Fähig­kei­ten, die er besitzt. Wenn man nun zum Bei­spiel Ski­fah­ren soll, dies jedoch noch nie getan hat, kann man sich schnell ver­let­zen. Dies wäre aber noch harm­los im Gegen­satz zu dem, was noch pas­sie­ren könn­te. So könn­te man im Kör­per eines Chir­ur­gen auf­wa­chen und müss­te eine Ope­ra­ti­on durch­füh­ren. Der Autor behan­delt hier ein sehr außer­ge­wöhn­li­ches und inter­es­san­tes The­ma, das zum Dis­ku­tie­ren einlädt.

 Tim Burgtorf

Mei­ne Bewer­tung: 10 von 10 Punk­ten. War­um? Die Idee, die hin­ter die­ser Geschich­te steht, ist geni­al. Ein Mensch, der jeden Tag in Kör­per und Welt eines ande­ren Men­schen steckt und somit die Welt aus unzäh­li­gen Per­spek­ti­ven sieht. Was kann ein sol­cher Mensch bes­ser als wir, was lernt er nie? Wo kommt er an sei­ne Gren­zen? Wel­che Vor­tei­le, wel­che Nach­tei­le hat ein sol­ches Leben? Der Autor hat, fin­de ich, eine sehr inter­es­san­te Geschich­te aus die­sem fik­ti­ven Gedan­ken gemacht.  Gut geschrie­ben, span­nen­de Haupt­fi­gu­ren, ich woll­te nicht mehr auf­hö­ren, zu lesen…

Felix Augus­tin